Frühkindliche Bildung

Bertelsmann-Stiftung legt Ländermonitoring vor
06.12.2023

Die Bertelsmann-Stiftung hat ihr jährliches Ländermonitoring „Frühkindliche Bildungssysteme“ für das Jahr 2023 vorgelegt. In den westdeutschen Bundesländern fehlen rund 385.900 Kita-Plätze, um den Betreuungsbedarf der Eltern zu erfüllen. In Ostdeutschland gibt es rund 44.700 Plätze zu wenig. Dies geht aus Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung für das "Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme" hervor. Zwar gab es in den zurückliegenden Jahren erkennbare Fortschritte beim Ausbau von Kita-Angeboten. Doch zugleich ist der Bedarf kontinuierlich gestiegen, denn immer mehr Eltern wünschen sich – insbesondere für ihre jüngeren Kinder - eine Betreuung

In Ostdeutschland ist der Anteil an Kindern, die eine Kita besuchen, wesentlich höher als im Westen. Allerdings sind die Personalschlüssel hier deutlich ungünstiger. Während eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft in Westdeutschland rechnerisch für 3,4 Kinder in Krippengruppen und für 7,7 Kinder in Kindergartengruppen verantwortlich ist, kommen im Osten 5,4 bzw. 10,5 Kinder auf eine Fachkraft.

"Der Fachkräftemangel erschwert es zunehmend, die Rechtsansprüche zu erfüllen und in den Kitas den Bildungsauftrag umzusetzen. Die Situation ist für Kinder und Eltern wie auch für das vorhandene Personal untragbar geworden", sagt Anette Stein, Expertin für frühkindliche Bildung der Bertelsmann-Stiftung.  
Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, sagt zu den aktuell vorgelegten Zahlen: „Die Städte haben sich in den vergangenen Jahren mit großem Engagement für den Ausbau der Kinderbetreuung und die Ausbildung von pädagogischen Fachkräften eingesetzt. Dabei haben sie enorme Steigerungsraten erreicht. Dennoch gibt es einen erheblichen Mangel an Betreuungsplätzen.

Die Schätzungen zur Zahl der benötigten Betreuungsplätze im Jahr 2030 sind mit großen Unsicherheiten behaftet. Hier spielen die steigende Nachfrage nach Betreuungsplätzen und die Bevölkerungsentwicklung eine Rolle, bei der zum Beispiel die Zuwanderung stark ins Gewicht fällt. Sicher ist aber, dass wir mehr Plätze brauchen, um den Bedarf heute und in Zukunft abzudecken. Mit dem Fachkräftemangel und dem unterschiedlichen Stand des Ausbaus in den Bundesländern wird es schwer, in allen Kommunen die Rechtsansprüche für Kita- und Grundschulkinder im Jahr 2030 zu erfüllen.

Die demografische Entwicklung macht es nicht leichter: Viele ältere Beschäftigte werden in Rente gehen, was den Fachkräftemangel weiter steigert. Die Städte haben bereits viel getan, um die pädagogischen Berufe attraktiver zu gestalten. Eine weitere Stellschraube sind zusätzliche Ausbildungskapazitäten, für die die Länder sorgen könnten. Eine Chance bietet sich auch durch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger und weitere Beschäftigte: zum Beispiel Kinderpflegerinnen und -pfleger, Verwaltungs- und Haushaltskräfte. Dabei muss selbstverständlich die Qualität der Erziehung und Betreuung erhalten bleiben.“

Informationen der Bertelsmann-Stiftung zum Ländermonitoring „Frühkindliche Bildungssysteme 2023“